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Verein Rodgauer Segler e.V.



Klaus Kölpin mit der Badewanne unterwegs – erster Bericht

Liebe Seglerfreunde/innen,

hier mein erster Bericht nach inzwischen 4 Wochen Abenteuer an und im Wasser auf der Nordseite der Elbe:

Das Positive zuerst: Die Segel-Wanne „Waansinn“ hat ihre erste Elb-Bewährungsprobe überstanden, knapp eine Woche mit voller Ausrüstung als Testfahrt mit Beiboot „Ari“ – Schlauch-Kajak – bestanden, und zwar auf der Pagensander Nebenelbe. Dabei habe ich so etwas wie zwei Weltrekorde aufgestellt:


Waansinn – Zustand beim Ansegeln Ende April
  • 5 Tage in und auf der Wanne mit knapp 1 qm Wohnfläche gelebt und manchmal wegen der Wetter-Kapriolen auch gelitten, ohne an Land zu gehen, und ...
  • ... eine Nacht sitzend in der offenen Wanne bei feuchtem Südwest in voller Montur verbracht und auch geschlafen.

Das Übernachten auf den Bodenbrettern der Wanne – auf die Ränder hochgelegt – und mit Plane über dem Segel-Baum hat ebenfalls funktioniert, auch bei Wind und Regen mit einiger Improvisations-Kunst. Nur das ganze Umbauen, auch für die Mahlzeiten mit Essen-Kochen erforderte olympiareife Kunstturnerei – Bodenturnen in und auf der Wanne, denn beim Trockenfallen am Strand so einfach aus dem Boot steigen und von außen hantieren, das ging nicht; Schlamm, über all Schlamm zumeist knietief, wo vor Jahren als ich noch dort mit der Jolle segelte sauberer fester Sand lag.

Das ist vor allem die erste große negative Erfahrung, ein Ergebnis der letzten Elb-Vertiefung des Fahrwassers, denn man hat das Baggergut. einfach in den Nebenarmen oder an genehmen Stränden aufgespült, in der Vorschau so getan als ob es Elbsand sei, doch das war und ist pechschwarzer Schlamm, meiner Ansicht Klärschlamm, den man nur mühsam von Haut, Boot oder Anker abspülen kann.


Klaus in der Wanne beim Start im Hafen von Kollmar

Die Elbe ist, was die Uferbereiche betrifft – leider – ein Dreckfluß geworden, und nun kommt die nächste Fahrwasservertiefung. Ich habe die Pläne angesehen und war entsetzt, weil das Baggergut nicht irgend wohin auf See verbracht wird, sondern sozusagen links und recht auf Ufer und Inseln aufgespült wird. Dabei wird auch auf bestehende Naturschutzgebiete keine Rücksicht genommen, so werden die Inseln Pagensand und Schwarztonnensand weiter aufgespült und damit die dort entstandene Natur zerstört. Ich werde darauf noch im weiteren Törnverlauf eingehen auf diesen Widersinn und die buchstäbliche Verarschung der Elbanrainer und der Öffentlichkeit über die Folgen der Elbvertiefung

Nun zu den weiteren Törnetappen: Ich nutze diese Woche, die ich wegen der EM-Endspiele eh in Kollmar verbringen wollte, den „Waansinn“ zu säubern – vom Schlick – und mögliche Schwachstellen zu verstärken, denn nicht die Kraft der Wellen ist die Gefahr, sondern die Unermüdlichkeit vor allem der Windsee, wobei die Dampferwellen kein Problem darstellen, denn „Waansinn“ und Ari liegen gut.

Nur das Achterschiff liegt wegen des Außenborders etwas tief, wie man auf dem Foto sieht, so dass ich bei Fahrt unter Motor oder Segel besser getrimmt auf dem Wannenrand zur Mitte hin sitze. Dann läuft alles gut. Als Sicherheit habe ich achtern noch eine Auftriebshilfe angebracht.

Sehr positiv wenn nicht sogar toll finde ich die Resonanz durch die Kollmarer und auch die in- und ausländischen Besucher im Hafen und auf dem Camping-Platz. Vor allem nach dem tollen Bericht auf der Titelseite und der Seite drei als Aufmacher in der Wochenendausgabe der „Holsteiner Allgemeine“ aus Elmshorn. Seitdem bin ich hier so etwas wie ein bunter Hund – besser Seehund -, musste sogar schon Autogramme geben und mich und die Wanne x-mal fotografiere lassen.

Toll auch die Hilfsbereitschaft auf dem Camping-Platz durch die Inhaber-Familie von Drathen: Ich stehe jetzt mit meinem Gespann Seat Terra Lieferwagen „Alter Fritz“ und Anhänger auf ihrem Bauernhof mit riesigen Feldern, damit ich besser an der Wanne werkeln und auch meine Ruhe vor der Schar der Neugierigen habe kann.

Ich habe dennoch und gerne viele, fast unzählige Gespräche geführt mit Regattaseglern, Bootseignern sogar aus Holland und England, einem Kap-Hoorn-Umfahrer – mit einem Schlepper – und vielen Fischern und Ex-Werftleuten.

Nun zu den nächsten Törnphasen: Anfang nächster Woche werde ich gen Süden starten, also Richtung Hamburg/Wedel, Hahnöfer Nebenelbe, Lühesand bis Stade und Barnkrug und dann zum Verschnaufen und Aufarbeiten wieder nach Kollmar.

Dann folgt der härtere Teil der Elbe gen Brunsbüttel und Neufeld auf Nordseite. Doch das ist noch Zukunftsmusik, bis dahin gibt es weiteren Zwischenbericht.

So etwas kann überhaupt nur funktionieren, wenn man Zeit hat, denn entscheidend ist letztlich bei einem so weltrekordverdächtigen kleinen und vor allem „wannigen“ Boot das Wetter, und dieses
... macht was es will!

Und oft richtet sich das Wetter noch nicht einmal nach dem Wetterbericht.

So das wars erst einmal.

Viele Grüße und ein kräftiges „Ahoi“ von der Elbe und Kollmar

von
Eurem Klaus

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